Das Leben und seine Stolperfallen

Wie alles begann...

Es war Dezember 2010 und noch dazu der Geburtstag eines guten Freundes. Es war keine großartige Sache, tatsächlich nur der engste Freundeskreis und dazu gehörte witziger Weise auch ich. Also man muss dazu sagen, dass ich wahrscheinlich echt nicht der Typ für tiefgründige Freundschaften bin, obwohl ich gerne eine hätte! Ich finde es wahrcheinlich zu ansträngend und zu unwichtig Bekanntschaften zu pflegen, jedes Wochenende mich auf Parties zu betrinken oder ständig oberflächliche Gespräche führen zu müssen. Ehrlich gesagt gehen mir (oberflächliche) Menschen recht schnell auf den Keks. Und leider ist die Welt voll davon. Scheinbar hatte ich noch nicht wirklich meinen Seelenverwandten gefunden. Bis zu dem Tag. Ich nenne ihn jetzt einfach mal Max. Er ging, wie auch der gute Freund, mit mir in eine Klasse und ja, bis jetzt hatten wir nicht vieles gemeinsam. Klar grüßte man sich. Man hat auch mal ein Gespräch miteinander geführt. Vielleicht lag es an der Atmosphäre des ganzen Abends, vielleicht auch am Alkohol oder auch daran, dass an uns beiden die Vergangenheit nagte, aber an dem Abend begannen wir uns füreinander zu interessieren. In der darauffolgenden Zeit redeten wir viel. Sehr viel. Wir redeten über Gott und die Welt, über das, was uns Angst macht und über das, was uns am meisten freut. Wir erzählten uns einfach alles. Jede noch so kleinste Veränderung in unserem Leben wurde dem anderen unverzüglich mitgeteilt. Wir lachten viel, aber wir konnten auch gemeinsam weinen. Wir verbrachten immer mehr Zeit zusammen. Minuten, die für uns die kostbarsten der Welt zu sein schienen. Wir gingen gemeinsam durch dick und dünn. Alles schien sich gegen uns zu verschwören doch wir boten der Welt die Stirn. Eine Freundschaft, die sich nach und nach in Liebe verwandelte. Es war definitiv keine klassische Teenager-Beziehung. Wir wussten schon so vieles von Anfang an voneinander, dass es perfekt zu sein schien. Max und ich saßen uns gegenüber und schworen uns alles erdenkliche zu tun, um die Beziehung aufrecht zu erhalten und sollte der noch so kleinste Zweifel aufkommen, würden wir sofort etwas dagegen unternehmen. Zumindestens hörte es sich in der Theorie ziemlich logisch an. Da waren wir nun. Das frisch verliebte Paar, welches es der ganzen Welt beweisen wollte. Aber Tatsache war, wir taten es. Nach zwei Monaten kam ihm das erste Mal ein "Ich liebe Dich" über die Lippen, einige Wochen später konnte ich es auch ohne Hemmungen zu ihm sagen, weil mein Herz es vom ganzen Herzen fühlte. Es schien alles so perfekt. Wir unternahmen viel, aber vorallem taten wir Dinge, die völlig untypisch für unser Alter war. Wir gingen in Theater-, Ballett-, und Musicalvorstellungen. Nicht, weil wir uns sonderlich cool fanden, sondern weil wir beide eine gewisse Leidenschaft für den klassischen Lifestyle hatten. Wir unterschieden uns von allen in allem was wir taten. Auch hörten wir nicht auf miteinander zu reden. Teilweise saßen wir stundenlang da und redeten einfach nur. Dabei kamen viele witzige Dinge zum vorschein. Okay, das hört sich jetzt alles ein wenig romantisch und kitschig an. Natürlich haben wir auch gestritten. Mal mehr mal weniger. Aber das ist ja schließlich in jeder noch so perfekten Beziehung der Fall. Auf was ich eigentlich hinaus wollte war... ach ja... Also, es kamen bei den Gesprächen sehr witzige Dinge heraus, zum Beispiel eine Vorliebe für diverse Animes. Wir fingen also an krampfhaft im Internet diese Animes zu suchen und als wir sie ENDLICH funktionstüchtig gefunden hatten fingen wir an sie anzuschauen. Wir wollten jede Folge sehen, bis zum bitteren Ende. Und während wir das taten schlich sich nach und nach der graue Alltag ein... Das Leben an sich schien uns nicht grauer. Ganz im Gegenteil. Es schien bunter als je zuvor. Doch wir hörten auf kleine Zeichen voneinander zu bemerken und hörten auf miteinander zu reden. Also natürlich haben wir noch geredet! Aber diese stundenlangen Gespräche über das Leben verabschiedeten sich nach und nach aus unserem Leben. Wir fingen an, unbewusst, das Schlechte im anderen zu sehen. Dinge, die uns nie vorher aufgefallen wären. Eifersucht war ein präsentes Thema. Wir versuchten jemand zu sein, der wir nicht sind. Und dann nach einem Jahr und neun Monaten: Das Ende. "Wir haben uns auseinander gelebt", war das einzige wirklich starke Argument. Doch so sehr ich ihm versucht habe zu erklären wie es nun wirklich ist, so sehr beharrte er noch mehr auf seiner Meinung. Es wäre alles besser so. Es macht jemanden nicht glücklich. Doch Trauer, Liebe oder Hass spielen bei solchen Entscheidungen keine Rolle. Das einzige worauf man hört ist sein Herz. Doch wenn das Herz nur Schmerz fühlt, wie soll es sich auf die wesentlichen Dinge konzentrieren?

21.10.12 09:00

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